Oma, erzählst du uns von früher?, Was vom Leben übrig bleibt

Gesammelte Werke oder: Was bleibt übrig von unserem Leben?

Im vergangenen Jahr mussten wir den Haushalt meiner Mutter auflösen. Sie ist 1930 geboren, hat im Krieg durch Bomben, die auf ihr Elternhaus fielen, das meiste ihres Hab und Guts verloren. 1949 heiratete sie unseren Vater, lebte mit ihm in Mietwohnungen bis 1967. Und dann lebte sie bis 2017 , also 50 Jahre lang im eigenen Reihenhaus. 90qm plus Keller plus Dachboden plus Gartenschuppen gut gefüllt mit allen möglichen Dingen des täglichen Lebens.

Beim aussortieren und ausräumen fing ich irgendwann an, erstmal alle Gegenstände gleicher Art an einem Platz zu sammeln, um einen Überblick zu bekommen….

Zum Beispiel waren in jedem Stockwerk an verschiedenen Stellen Handspiegel und Vergrösserungsspiegel aller Art.

In ihren Handtaschen ( die ich leider nicht fotografiert habe), fand ich diese ansehnliche Sammlung von Taschenspiegeln.

dann: Kämme, Bürsten, Nagelfeilen,Taschenmesser…Dosen aller Art…auch Holzdosen und Schatullen…Bürsten aller Art…Kirschenentsteiner, Fusshocker, Brillen, Brillenetuis, Lupen….

Nürnberger Trichter, Schweine, Flohhüpfspiele, ein Teil der T Shirts ( es gab noch mehr!)und leere Tintengläser. Sie hat sehr viele Briefe geschrieben, alle von Hand.

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Malkurs an der Kunstakademie Schwäbisch Hall

Mit wackeligen Knien, sehr aufgeregt ging ich dann im September zum ersten Mal zur Akademie. Als erstes nahm ich den Geruch im großen Malatelier war, es roch nach Leinöl, nach Pigmenten, nach Papier. Dann kam Susanne Neuner, die Leiterin des Malkurses. Sie erklärte wie man Papier aufzieht und grundiert, wie man Eitempera herstellt, das fand ich alles wunderbar. Dann ging es ans Malen. Thema: INHALT.

Uff, ich zitterte wirklich, meine Hände waren kalt. Was sollte ich zu diesem Thema bloß malen? Ich fing an, mit dem Inhalt meiner Handtasche, nebenbei schielte ich natürlich, was die anderen Kursteilnehmer malten. Hilfe, die waren alle viel besser! Ich hatte mich wohl überschätzt…Ich versuchte es nochmal: Inhalt eines Glases, mit Pinseln darin…Es ging ein bisschen besser, die Zeit verflog…Ich war auch hier nicht so zufrieden mit meinem Ergebnis, aber ich hatte doch Lust und Mut bekommen , weiter zu machen. Zuhause fügte ich noch den orangenen Kreis hinzu. In der nächsten Woche versuchte ich mich am Inhalt einer Tube:hier wagte ich mich an die Eitemperaherstellung und die Verwendung der Pigmente…und es machte mir Spaß, wenn auch das Bild noch nicht so wurde, wie ich wollte.

Wieder eine Woche später: Inhalt einer Obstschale:Ich wurde sicherer, die anderen Kursteilnehmer malten jeder für sich, keiner war kritisch oder äußerte sich abfällig. Ich fing an, mehrere Stillleben zu malen, der Umgang mit den Pigmenten und der Eitempera machte mir viel Freude und ich genoß die Malstunden mehr und mehr. Natürlich meldete ich mich fürs nächste Semester an. Da beschlossen wir als Teilnehmergruppe uns alle zusammen an einem Stillleben zu versuchen, jeder aus seinem Blickwinkel.Niemals hätte ich mich vorher an Gläser herangewagt. Wie soll man etwas durchsichtiges malen??? Das Malen wurde zunehmend Lebenselixier.

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Schwierige Zeiten

In meinem Leben gab es immer wieder depressive Phasen, schwierige Zeiten. Nach der Trennung von meinem ersten Ehemann, nach vielen Jahren als alleinerziehende, berufstätige Mutter hatte ich wirklich Probleme. Ich fühlte mich so:Innerlich schwer verbrannt, abgewandt von der Aussenwelt, im Grunde genommen tot. Ich wollte nichts mehr sehen und hören, am liebsten nur schlafen, einfach weg sein. Um mich herum war alles schwarz, die kleinen Lichtblick rechts oben konnte ich in meinem Leben nicht mehr sehen.

Ich suchte einen Therapeuten auf. Er half mir Lebenslügen aufzudecken, die mich teilweise seit der frühen Kindheit begleiteten, z.B. “ du bist nicht gut genug“ und ähnliche Sätze, die man mir gesagt hatte. Auch hier war Malen wieder mal, wie schon öfter in meinem Leben, eine gute Möglichkeit zur Selbstheilung.

Die Lügen mussten durchgestrichen und durch Wahrheit ersetzt werden! Links unten keimt neue Wahrheit und ein bisschen Lebensmut…

Manchmal war mein Gefühl auch so: Ich stehe in einem Flur, es gibt nur verschlossene Türen, bzw. Türen, in die ich absolut nicht hineingehen darf, verbotene Wege, oder gefährliche Wege. Ich bin klein, in zu grosser Kleidung, es scheint auch keinen Ausweg zu geben.Ich liege platt und ko auf einem Weg, den ich wohl gehen möchte, Freunde ziehen mich ein Stück mit, letztlich gehen sie dann aber ihrer Wege und lassen mich liegen.

Wie soll es nur weitergehen? Wohin soll ich, wohin will ich? Ich kann allein nicht weiter, aber Freunde können auch nicht wirklich helfen. Ich bin verzweifelt. Ich melde mich zu einem Malworkshop an… ich hoffe dort ein bisschen dazuzulernen, bin immer viel zu kritisch, was meine Bilder angeht.Dort sollen wir eine Muschel malen. Ich male meine groß über das ganze Blatt verteilt, und an einer Stelle explodiert etwas aus dem Inneren Heraus. …

Das zweite Bild, das ich in dem Workshop male ist dieses: Ich stehe ganz allein, ich will nichts sehen, die Tigeraugen, die Gefahr lauert, die Würgeschlange der Sünde drückt mir die Luft bald ab, der gierige Hund sieht freundlich aus, ist es aber nicht. Ich selbst habe überhaupt keine Kontrolle, bin machtlos und hilflos. Obwohl es in dieser christlichen Freizeit viele Menschen gibt, die allen an verschiedenen Workshops teilnehmen, fühle ich mich total einsam. Ich bin in einer schrecklichen Verfassung.

Die Leiterin des Workshops bemerkt es und fragt, was mir denn helfen könnte??? Das weiß ich leider auch nicht…Ich male dies als nächstes Bild “ unter seinen Flügeln bin ich geborgen“… Ein bisschen rede ich mir das selbst ein, ich fühle mich ein bisschen besser, aber nicht wirklich befreit. Die Flügel scheinen eher schwer auf mir zu liegen und engen meine Bewegungsfreiheit ein….

In diesem Workshop höre ich zum ersten Mal von dem Thema “ Hochsensibilität“ und es hilft mir etwas, mich besser zu verstehen, vor allem der Tipp, Ruhephasen für mich ein zu planen, in denen ich mich vor allen Einflüsse zurück ziehe und nur die Gedanken fließen lasse, hilft mir.

Als ich von diesem Workshop wieder nach Hause zurückkehre, fängt für mich der Schulalltag als Lehrerin wieder an ( 2010) und ich fühle mich dieser Aufgabe überhaupt nicht gewachsen. Ein Gutes blieb aber: Barbara Lidfors, die Leiterin dieses Workshops ermutigt mich, mich bei einem Malkurs anzumelden. Volkshochschulkurse hatte ich früher schon mal versucht, und ich überlegte, wo ich wohl hingehen könnte…

Im September 2010 sah ich mir die Semesterausstellung der Studenten der Schwäbisch Haller Kunstakademie an. Ich stand sehr gedankenverloren vor diesen Arbeiten und dachte: Das sind Werke von Studenten, die haben es gut, die sind begabt und jung… In diesem Moment sprach mich ein älterer Herr an ( wie sich später herausstellte, war das Michael Klenk, der Leiter der Akademie). Er sagte : „Das können Sie auch!“ Einfach so, ohne , dass er mich kannte, ohne, dass wir vorher Worte gewechselt hatten. „Das können Sie auch!“ Als ob er meine Gedanken gelesen hätte…ich hatte mir das ja gar nicht zugetraut. Er gab mir einen Flyer und ich meldete mich an, in der Kunstakademie Schwäbisch Hall.

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Alle Wege sind offen…

2010 ging es mir psychisch nicht besonders gut. Was mir meistens gegen depressive Verstimmungen half war die Malerei, die Beschäftigung mit Kunst. Eines Morgens wachte ich auf und hatte sofort ein Bild vor Augen, ich musste es gleich aufs Papier bringen. Ich holte einen Bogen Ingrespapier hervor, den ich schon lange aufbewahrt hatte und die Ölpastellkreiden, die sich so schön weich aufs Papier bringen lassen, man muss nicht sehr aufdrücken, dann geben sie schon viel Farbe ab, und sie erzeugen eine schöne, glatte, glänzende Oberfläche. Es dauerte nicht lange und schon hatte ich das Bild umgesetzt, genau so, wie ich es vor meinem inneren Auge gesehen hatte :Ich hängte es an die Wand, war zufrieden und ging in den Alltag, an meine Arbeit.

Am nächsten Tag sollte meine Tochter das Ergebnis für ihre erste Abiturprüfung im Fach Kunst erhalten, für den praktischen Teil. Alle weiteren Prüfungen sollten zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden, sie erfuhr nur diese eine erste Note an diesem Tag. Da ihr die Lehrerin eine sehr gute Note prophezeit hatte, war sie zutiefst enttäuscht, dass das Ergebnis längst nicht so gut wie verheißen ausgefallen war. Meine Tochter war so entmutigt, dass sie an keiner weiteren Prüfungen mehr teilnehmen und somit alles hinschmeissen wollte. Ich war sehr aufgebracht über ihren Entschluss. Hatte ich ihr doch schon nach der 10. Klasse und nach ihrem Auslandsschuljahr vorgeschlagen lieber eine Ausbildung zu machen, ich bestand nicht darauf, dass sie Abitur machen musste….Aber sie hatte sich ja nun mal für diesen Weg entschieden, ich hatte sie unterstützt, Nachhilfe und Schulgeld bezahlt und war nun ziemlich ärgerlich, dass sie so kurz vor dem Ziel aufgeben wollte.

Ich zog mich zurück und betete, wie ich es öfter in solchen Situationen als alleinerziehende Mutter getan hatte. Wen hätte ich um Rat fragen sollen? „Herr, was soll ich tun? Bitte gib mir Weisheit!“ Sollte ich sie überreden, ihr drohen? Was war der richtige Weg? Sehr schnell kam mir der Gedanke: “ Du hast die Antwort schon gestern bekommen! Denke an das Bild: Alle Wege sind offen. Man kann von jeder Seite aus hineingehen, im Zentrum im Kreis gehen, an derselben Stelle an der man hineinging, wieder herausgehen, oder eine ganz andere Richtung einschlagen….“

Sehr schnell wurde ich ganz ruhig und gelassen und wusste, dass dies genau die richtige Antwort und Lösung war. Ohne jeden Groll konnte ich nun mit meiner Tochter sprechen und ihr sagen: “ Ich drängle dich nicht, die übrigen Prüfungen zu absolvieren. Schlaf eine Nacht darüber und triff dann deine ganz eigene Entscheidung, ganz frei. Du kannst immer noch eine Ausbildung machen, mit oder ohne Abitur. Überlege in Ruhe!“

Wir beide konnten darüber ruhig werden, und ich sagte auch den restlichen Tag über nichts mehr zu diesem Thema, sondern überließ die Entscheidung ganz frei meiner Tochter.

Am nächsten Morgen stand sie rechtzeitig für den Schulbeginn auf, und sagte ganz gelassen, sie hätte sich entschieden, doch alle Abiprüfungen abzulegen.

Das erleichterte mich sehr und ich bin froh, dass ich diese göttliche Eingebung bekommen hatte und meine Tochter nicht unter Druck gesetzt hatte.

Sie hat auch alle Prüfungen bestanden und mit einem guten Abitur die Schulzeit beendet.

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Itsi Bitsy Wollbikini – jetzt im Museum

Als ich klein war, gab es in unserem Haushalt eine Kiste mit Wollresten. Darin liegt schon seit ewigen Zeiten , also mindestens seit der Zeit, als ich stricken lernen wollte, ca. 1968 , ein blauer Wollbikini. Als ich kürzlich den Haushalt meiner Mutter entrümpelte, fand ich diesen Wollbikini wieder, immer noch in einer Plastiktüte, völlig intakt, mit Mottenpapier geschützt vor Schädlingen:Ich fand dann auch Fotos in alten Fotoalben, auf denen Mama diesen Bikini trug. Sie hatte ihn wohl für ihre Hochzeitsreise gekauft, ( 1949) und ihn auch bei dieser Gelegenheit getragen. Schwimmen konnte sie nicht, dafür hätte sich die dicke schwere Wolle wohl auch nicht geeignet. Hier trägt sie den Bikini auch, ( 1953) , am Chiemsee, neben ihr steht ihr 8 Jahre jüngerer Bruder.

Ich fand es zu schade, diesen Bikini wegzuwerfen. Ich bot ihn drei Museen zum Ankauf an. Am schnellsten antwortete das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg ( aber auch das Textilmuseum in Hannover und noch ein weiteres Museum hätten Interesse an dem kessen Bikini gehabt). Aber ich verkaufte das gute Stück dann nach Nürnberg, schließlich ist meine Mutter Nürnbergerin und so bleibt ihr Bikini und die Geschichte dazu in ihrer Heimatstadt in einem großen Museum erhalten. Ich freue mich schon darauf, das gute Stück dort mal in einer Ausstellung bewundern zu können. Sicher hab ich dann auch gleich wieder den Geruch von Mottenpapier in der Nase und die Erinnerung an die Wollrestekiste, ein alter Rama Karton. Und die Erinnerung an meine ersten Strickversuche…..

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Aus dem Nähkästchen geplaudert

Im Zuge der Haushaltsauflösung meiner Mutter verkaufte ich einige Dinge aus ihrem Haushalt, die ich zu schade fand zum Wegwerfen. Zum Beispiel dieses Nähkästchen, das meine Mutter viele Jahre begleitet hat. Eine Käuferin interessierte sich dafür, ich wollte 30 Euro dafür haben, sie bot 20 und ich verkaufte es ihr samt Inhalt, wie gesagt zum Wegwerfen fand ich es zu schade und ich selbst konnte es auch nicht gebrauchen, meine Nähutensilien sind auch schon gut sortiert. Sie nahm es also mit.

Einige Zeit später besuchte ich meine Mutter in dem Heim, in dem sie nun lebt. Sie wollte unbedingt genau dieses Nähkästchen samt Inhalt zurück haben , obwohl sie ja kaum mehr sehen und bestimmt nichts mehr nähen kann. Ich sagte ihr, dass es verkauft ist. Da sie sich schrecklich aufregte, versuchte ich per Ebay ein ähnliches zu finden und dachte , ich könnte ihr dann ein anderes , möglichst ähnliches in ihr Heimzimmer bringen, um sie zu beruhigen.

Und tatsächlich: Ich fand eines bei Ebay: Nämlich genau ihres, ich erkannte es an der Brandstelle am linken vorderen Bein.und an den Fotos vom Inhalt. Es war noch genauso sorgfältig einsortiert, wie meine Mutter es immer eingeordnet hatte. Wollstopfgarn und Baumwollstopfgarn, Nähseiden, und vor allem Hutgummis aller Art. Bis heute geht meine Mutter ja nie ohne Hut aus dem Haus! Die Verkäuferin hatte es von der Frau geschenkt bekommen, die es von mir gekauft hatte. Und wollte es nun für 60 € weiterverkaufen.

Sie reservierte es für mich und mein Mann und ich fuhren hin. Tatsächlich war alles noch alles genauso drin. Wir handelten ein bisschen und kauften es für 50€ zurück und brachten es direkt zu meiner Mutter ins Heim.

Sie kann zwar wirklich nichts mehr damit anfangen, aber es gibt ihr ein bisschen mehr das Gefühl etwas von zuhause zu haben.

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MEMORIES 5

Eine Zeitschrift von 1963. Mama bekam sie sicherlich von den Amerikanern, die damals oben in der Mansardenwohnung wohnten. Als Kind habe ich diese Zeitschrift geliebt. Und ich habe sie bis heute aufbewahrt, also schon 54 Jahre lang. Damals gab es in unserem Haushalt kaum so etwas und deshalb habe ich dieses Exemplar wieder und wieder durchgeblättert. Hier eine Seite aus dieser Zeitschrift. Bei uns in Deutschland war das damals noch völlig unbekannt Türen zu schmücken, ich fand diese Deko Ideen märchenhaft schön! Mama dekorierte mit Tannenzweigen , die sie seitlich hinter Bilderrahmen klemmt, daran hängte sie Strohsterne und Lametta. Als Kind liebte ich den Tannenduft zur Adventszeit.Barbiepuppen waren mir damals noch völlig unbekannt, aber fand die Bilder davon toll. Meine erste Modepuppe, leider eine Petra und keine Originalbarbie ( wie gewünscht) bekam ich erst mit 7 oder 8,also 1968 .Aber die Kleidung dieser Puppen interessierte mich sehr und ich bat Mama mir das Häkeln und Stricken beizubringen, ich lernte es auch schnell und konnte es vor meinen Mitschülerinnen.

Ich nähte schon sehr früh mit der Hand Barbiekleidung und strickte auch kleine Pullis, angeregt durch diese Bilder.

Diese Puppe fand ich auch wunderschön und hätte so gern so eine gehabt. Und die auch, die hätte ich auch gern selbst genäht….In dieser Zeitschrift gab es natürlich auch Menüvorschläge für die Festtage. Das Foto von diesen Süssspeisen im Schnee faszinierte mich außerordentlich. Ich hätte das alles so gern gekostet!

An Heiligabend wollte mein Papa auch immer gern solche Canapees wie oben auf dem Bild haben. Das war Mama aber zu viel Arbeit. Heiligabend gab es bei uns traditionell Erbswurstsuppe mit Wienerle, manchmal auch noch mit gebratenen Speckwürfeln und Croutons.

auch diese Leckereien hätte ich zu gern gekostet….Mama, baust du so ein Haus mit uns? Habe ich oft gefragt. Nein, das ist zu viel Arbeit, war meist die Antwort. Mama buk aber immer viele Weihnachtsplätzchen, die auch immer sehr lecker waren.

und hier noch eine Seite aus der Lieblingszeitschrift: Die Figuren gefielen mir als Kind auch sehr und wie man sieht, habe ich sie auch teilweise ausgemalt mit Wachskreiden.

Ich könnte aus dem Gedächtnis nahezu alle Seiten dieses amerikanischen Magazins beschreiben, so oft habe ich es mir angesehen.

Heute faszinieren mich Zeitschriften und Kataloge aller Art immer noch sehr und ich blättere sie gern durch. Wenn ich mal beim Arzt im Wartezimmer länger sitzen und warten muss, macht mir das gar nichts, weil ich so gern durch die Zeitschriften blättere, die dort ausliegen.

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Memories 4

in der Mitte: mit Papa im Ruderboot auf dem Dutzendteich. Natürlich wieder mit Kleidchen und Hut. Beides habe ich trage ich nicht mehr, seitdem ich das selbst entscheiden konnte, was ich anziehen möchte. Lieber Hosen und T-shirts!

Auf dem Dutzendteich Ruderboot fahren, war ein seltenes und schönes Ereignis. Oft mussten wir lange betteln, bis die Eltern mit uns dahin fuhren. „Zu teuer“ hieß es meistens! Manchmal gingen wir dort auch nur am Ufer spazieren und sammelten „Eissteckerle“. Das waren die abgelutschten Holzstäbe von Eis am Stiel, die andere Leute weggeworfen hatten. Wir freuten uns wie die Schneekönige, wenn wir viele fanden. Papa baute nämlich dann zuhause mit uns ein Fort, ein Indianerfort. Ich konnte mir darunter nicht viel vorstellen, aber mein großer Bruder las mit Begeisterung Karl May. Papa baute also das Fort mit Holzstäbchen vom Eis und mit Raketenholzstäbchen, die wir am Neujahrsmorgen sammelten. Dann wurde mit den Indianerfiguren gespielt. Das Bauen machte aber noch viel mehr Spaß , als das Spielen an sich.

Unten: Mein kleiner Bruder und ich im Swimmingpool von Tante Anni und Onkel Heini. Wie gern wären wir da drin immer geschwommen. Meist durften wir aber nicht rein. Es hieß immer: Vielleicht pinkeln die ins Wasser, oder: Nein, der Pool ist grade frisch gereinigt. Oder: heute nicht!…

Erst mussten wir also die Eltern überreden mit uns zum Onkel zu fahren, dann musste es heiß genug sein, der Pool musste aufgedeckt sein UND Onkel und Tante mussten bereit sein, uns da rein zu lassen. Das kam gefühlt nur dreimal in meiner ganzen Kindheit vor. Man kann also sehen, dass wir strahlen, weil da endlich mal alle Sterne für uns günstig standen.

Tante Anni hatte im Vorgarten auch immer kleine Walderdbeeren. Die hätte ich als Kind so gern gegessen. Aber ich durfte nur ab und zu, seeeehr selten, ein paar pflücken. Sie war damit so geizig, als wären das aussterbende seltene Pflanzen.

und zu guter letzt , zu dieser Collage von 1973: Unsere Haustiere. Zuerst hatten wir einige Male einen Hamster, die hießen alle Hansi und waren sehr süß, aber eben immer nur nachts aktiv, also nicht wirklich was für Kinder.

Dann, im eigenen Haus mit kleinem Garten durfte ich einen Zwerghasen haben, der graue links. Wir kauften ihn als Weibchen, nannten ihn Bärbel, aber er war männlich. Und stubenrein! Im Winter durfte er in der Küche rumhoppeln und ging immer brav in sein Eckchen auf Zeitungspapier.

Zu ihm gesellte sich Trempi, sogenannt, weil ich ihn auf dem Trempelmarkt in Nürnberg kaufte, er tat mir so leid…

Die Katze bekam mein kleiner Bruder, nachdem er sich die Mandeln rausnehmen ließ. Sie hieß Minni, war eine Halbangoramischung und wurde immer dicker, je älter sie wurde….

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Das blaue Kleid

Das Haus, in dem meine Mutter mit ihrem Bruder aufgewachsen war, wurde durch Bomben 1943 weitgehend zerstört ( in Nürnberg Johannis). Nur wenige Dinge, die im Keller gelagert waren, überlebten diese Zerstörung. Dazu gehört dieses blaue Kleid. Ein stabiler, sehr dunkelblauer Baumwollstoff mit handgestickten Blüten darauf. Dieses Foto ist ganz aktuell von 2017, ich bewahre dieses Kleid immer noch auf.

Hier trägt es meine Mutter. Auf dem oberen Bild mit ihrer Mutter und dem kleinen Bruder, auf dem unteren Bild ein Klassenfoto. Damals hatte es noch einen schmalen Bindegürtel. Der wurde später entfernt und die Löcher, durch die er ursprünglich gezogen worden war, zugenäht.

Hier trage ich es, einmal mit dem kleinen Bruder im Garten und einmal an Weihnachten auf dem Schoß von Oma ( die meine Stiefoma war, also die zweite Frau von Opa. Seine erste Frau ist im Alter von 45 Jahren an Krebs verstorben).

Es gibt auch noch ein Foto, auf dem meine Tochter dieses blaue Kleid trägt: