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Wie lange hast du denn daran gemalt….

Werde ich oft gefragt, wenn Leute meine Bilder anschauen. Ich möchte dann immer eine Gegenfrage stellen: Warum möchtest du das wissen?

Würde dir das Bild besser gefallen, wenn ich 10 statt 5 Stunden gebraucht hätte? Wäre der Preis für ein Bild eher gerechtfertigt, wenn ich eine Woche oder einen Tag daran gemalt hätte?

Sagt die Menge der Arbeitsstunden etwas über die Qualität eines Bildes aus?

Müsste ich vielleicht alle Stunden, die ich in das Erlernen einer Maltechnik, ins Zeichnenlernen investiert habe mit einrechnen, wenn ich die Frage beantworte?
Alle Stunden, in denen ich nachts wach liege und über eine Bildidee, Komposition und Technik nachdenke?

Alle Stunden, die ich für Entwürfe, Skizzen und Notizen verwende?

Alle Stunden, die ich für das Vorbereiten des Malgrundes brauche ?

Alle Denkpausen, in denen ich nur da sitze, meinen Kaffee schlürfe und das – halbfertige – Bild betrachte und überlege, wie es weitergeht?

Wie sollen große, bekannte Künstler diese Frage beantworten, die die Idee und das Konzept für ein Bild haben, aber die Ausführung ihren Hiwis, ihren Studenten übertragen?

Ich gehe nicht in mein Atelier und schaue auf die Uhr: “ ah, jetzt ist es 8 Uhr, ich werde jetzt malen bis 12, dann schreib ich meine Stunden auf“

Ich gehe ins Atelier, wenn ich meine anderen Aufgaben erledigt habe, oder auch mal zwischendurch, mach nur einen Farbauftrag, lasse diesen trocknen, während ich wieder etwas anderes erledige. Oder ich steh mitten in der Nacht auf, weil ich gerade einen Geistesblitz habe und mache schnell eine Skizze…

Also: Ich kann die Frage nicht beantworten und ich verstehe auch ihren Sinn nicht.

Dieses Bild zum Beispiel ( Acryl auf Papier, ca.30×45 cm), entstand ziemlich schnell, es könnten zwei bis drei Stunden gewesen sein ( hab auch wieder nicht auf die Uhr gesehen)Dagegen habe ich an dieser Buntstiftzeichnung ( Din A4) vielleicht 8-10 Stunden gesessen

Ist durch den unterschiedlichen Zeitaufwand das eine Bild besser als das andere, wertvoller als andere?

Was meint ihr?

14 Gedanken zu „Wie lange hast du denn daran gemalt….“

  1. ich frage das auch manchmal und mich interessiert das wirklich. weil ich selbst noch lerne und feststelle, wie unterschiedlich lange oder kurz es dauert eine zeichnung oder ein bild anzufertigen (oder ein gedicht oder prosa zu schreiben). die dauer sagt nichts über den preis oder wert einer zeichnung. also jedenfalls nicht für mich. auch wenn jemand ein bild (oder einen text) innerhalb von 10 minuten angefertigt hat, kann ein preis von mehreren tausend euro berechtigt und angemessen sein. das, was du schreibst, das vorher und hinterher, spielt auf jeden fall mit hinein. beim schreiben ist es auch so. dass bis man „dieses eine gedicht“ schreiben kann, dazu muss man erst die 596 anderen gedichte geschrieben haben. jemand, der nicht (auf diese weise – also malen, zeichnen, schreiben, fotografieren etcpp) tätig ist, kann sich vermutlich in diesen prozess nicht hineinfühlen, hat kein oder kaum verständnis dafür. so wie ich auch manches nicht weiß, weil ich mich nicht damit beschäftige oder damit zu tun habe.

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      1. es ist sinnlos, so meine ich, ein Kunstwerk mit der aufgewendeten Zeit in Relation zu setzen, um daran den Wert zu ermessen. Sonst kann man natürlich schon fragen.

        Die aufgewendete Zeit ist nicht wertbestimmend, und sie hängt von vielen Faktoren ab: wie routiniert malt jemand, welche Techniken verwendet er, wielange knobelt er an seinem Konzept, in welchem Rhythmus arbeitet er, … Van Gogh zB arbeitete mit Öll sehr schnell, Cezanne mit Auarell sehr langsam. Der eine konnte an einem Tag ein Bild mit zwölf Sonnenblumen vollenden, der andere saß täglich vor einem Motiv und belauerte es, um dann und wann einen Pinselstrich hinzuzufügen. Van Gogh sagt, er arbeite von früh bis spät, da die Blumen schnell verwelkten, Cezanne benutzte gleich Kunstblumen. Picasso malte in seinem Leben unendlich viele Bilder, Vermeer eine sehr überschaubare Zahl – nicht weil er fauler war, sondern weil er sehr viel länger für jedes Billd brauchte.

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      2. danke für deine ausführliche antwort. nun verstehe ich, wie du es gemeint hast. reden bzw. sich austauschen und mitteilen hilft eben doch oft beim verstehen. 🙂 liebe grüße und ein gutes wochenende wünsche ich dir.

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  2. Ich denke mir, dass manche Menschen tatsächlich eine Zeitangabe benötigen, um etwas einschätzen zu können. Egal ob es dabei um Bilder oder etwas selbstgestricktes geht. Ich werde auch gefragt, wie lange ich für die Erstellung des Gemeindebriefes gebraucht habe. Guter Wein braucht ja auch eine Weile um gut zu sein. 😉

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