meine Kunst, Oma, erzählst du uns von früher?, Schwierige Zeiten

Alle Wege sind offen…

2010 ging es mir psychisch nicht besonders gut. Was mir meistens gegen depressive Verstimmungen half war die Malerei, die Beschäftigung mit Kunst. Eines Morgens wachte ich auf und hatte sofort ein Bild vor Augen, ich musste es gleich aufs Papier bringen. Ich holte einen Bogen Ingrespapier hervor, den ich schon lange aufbewahrt hatte und die Ölpastellkreiden, die sich so schön weich aufs Papier bringen lassen, man muss nicht sehr aufdrücken, dann geben sie schon viel Farbe ab, und sie erzeugen eine schöne, glatte, glänzende Oberfläche. Es dauerte nicht lange und schon hatte ich das Bild umgesetzt, genau so, wie ich es vor meinem inneren Auge gesehen hatte :Ich hängte es an die Wand, war zufrieden und ging in den Alltag, an meine Arbeit.

Am nächsten Tag sollte meine Tochter das Ergebnis für ihre erste Abiturprüfung im Fach Kunst erhalten, für den praktischen Teil. Alle weiteren Prüfungen sollten zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden, sie erfuhr nur diese eine erste Note an diesem Tag. Da ihr die Lehrerin eine sehr gute Note prophezeit hatte, war sie zutiefst enttäuscht, dass das Ergebnis längst nicht so gut wie verheißen ausgefallen war. Meine Tochter war so entmutigt, dass sie an keiner weiteren Prüfungen mehr teilnehmen und somit alles hinschmeissen wollte. Ich war sehr aufgebracht über ihren Entschluss. Hatte ich ihr doch schon nach der 10. Klasse und nach ihrem Auslandsschuljahr vorgeschlagen lieber eine Ausbildung zu machen, ich bestand nicht darauf, dass sie Abitur machen musste….Aber sie hatte sich ja nun mal für diesen Weg entschieden, ich hatte sie unterstützt, Nachhilfe und Schulgeld bezahlt und war nun ziemlich ärgerlich, dass sie so kurz vor dem Ziel aufgeben wollte.

Ich zog mich zurück und betete, wie ich es öfter in solchen Situationen als alleinerziehende Mutter getan hatte. Wen hätte ich um Rat fragen sollen? „Herr, was soll ich tun? Bitte gib mir Weisheit!“ Sollte ich sie überreden, ihr drohen? Was war der richtige Weg? Sehr schnell kam mir der Gedanke: “ Du hast die Antwort schon gestern bekommen! Denke an das Bild: Alle Wege sind offen. Man kann von jeder Seite aus hineingehen, im Zentrum im Kreis gehen, an derselben Stelle an der man hineinging, wieder herausgehen, oder eine ganz andere Richtung einschlagen….“

Sehr schnell wurde ich ganz ruhig und gelassen und wusste, dass dies genau die richtige Antwort und Lösung war. Ohne jeden Groll konnte ich nun mit meiner Tochter sprechen und ihr sagen: “ Ich drängle dich nicht, die übrigen Prüfungen zu absolvieren. Schlaf eine Nacht darüber und triff dann deine ganz eigene Entscheidung, ganz frei. Du kannst immer noch eine Ausbildung machen, mit oder ohne Abitur. Überlege in Ruhe!“

Wir beide konnten darüber ruhig werden, und ich sagte auch den restlichen Tag über nichts mehr zu diesem Thema, sondern überließ die Entscheidung ganz frei meiner Tochter.

Am nächsten Morgen stand sie rechtzeitig für den Schulbeginn auf, und sagte ganz gelassen, sie hätte sich entschieden, doch alle Abiprüfungen abzulegen.

Das erleichterte mich sehr und ich bin froh, dass ich diese göttliche Eingebung bekommen hatte und meine Tochter nicht unter Druck gesetzt hatte.

Sie hat auch alle Prüfungen bestanden und mit einem guten Abitur die Schulzeit beendet.

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