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Kunstbuch 2017/2018 ist fertig

nach einigen sehr textlastigen Beiträgen gibts nun wieder mehr Bilder aus einem Buch, das ich schon vor 3 Jahren gebunden habe:

Hier drin habe ich vor allem Fotos und Texte verarbeitet aus meiner Kindheit in Langwasser, aber auch einige Kunstseiten gestaltet: Das Unterste ist eine Collage auf GelatinedruckBuntstift – und Fineliner Zeichnungen….

Einfach so, zum Freuen…

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Wie lange hast du denn daran gemalt….

Werde ich oft gefragt, wenn Leute meine Bilder anschauen. Ich möchte dann immer eine Gegenfrage stellen: Warum möchtest du das wissen?

Würde dir das Bild besser gefallen, wenn ich 10 statt 5 Stunden gebraucht hätte? Wäre der Preis für ein Bild eher gerechtfertigt, wenn ich eine Woche oder einen Tag daran gemalt hätte?

Sagt die Menge der Arbeitsstunden etwas über die Qualität eines Bildes aus?

Müsste ich vielleicht alle Stunden, die ich in das Erlernen einer Maltechnik, ins Zeichnenlernen investiert habe mit einrechnen, wenn ich die Frage beantworte?
Alle Stunden, in denen ich nachts wach liege und über eine Bildidee, Komposition und Technik nachdenke?

Alle Stunden, die ich für Entwürfe, Skizzen und Notizen verwende?

Alle Stunden, die ich für das Vorbereiten des Malgrundes brauche ?

Alle Denkpausen, in denen ich nur da sitze, meinen Kaffee schlürfe und das – halbfertige – Bild betrachte und überlege, wie es weitergeht?

Wie sollen große, bekannte Künstler diese Frage beantworten, die die Idee und das Konzept für ein Bild haben, aber die Ausführung ihren Hiwis, ihren Studenten übertragen?

Ich gehe nicht in mein Atelier und schaue auf die Uhr: “ ah, jetzt ist es 8 Uhr, ich werde jetzt malen bis 12, dann schreib ich meine Stunden auf“

Ich gehe ins Atelier, wenn ich meine anderen Aufgaben erledigt habe, oder auch mal zwischendurch, mach nur einen Farbauftrag, lasse diesen trocknen, während ich wieder etwas anderes erledige. Oder ich steh mitten in der Nacht auf, weil ich gerade einen Geistesblitz habe und mache schnell eine Skizze…

Also: Ich kann die Frage nicht beantworten und ich verstehe auch ihren Sinn nicht.

Dieses Bild zum Beispiel ( Acryl auf Papier, ca.30×45 cm), entstand ziemlich schnell, es könnten zwei bis drei Stunden gewesen sein ( hab auch wieder nicht auf die Uhr gesehen)Dagegen habe ich an dieser Buntstiftzeichnung ( Din A4) vielleicht 8-10 Stunden gesessen

Ist durch den unterschiedlichen Zeitaufwand das eine Bild besser als das andere, wertvoller als andere?

Was meint ihr?

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Ich liebe Bücher aller Art und binde sie auch gerne selbst:

Diese Bücher habe ich alle aus gesammelten Papieren, die zu schade zum Wegwerfen sind, selbst gebunden und den Einband selbst gestaltet. Ich ging dabei nach einer Anleitung vor, die ich vor längerer Zeit in einem Onlineworkshop von Mary Ann Moss gelernt habe. ( Ihr Blog heißt:dispatchfromla). Jetzt wollte ich mich mal wieder ans Buchbinden machen. Mir fiel aber nicht mehr ein, wie es ging. Der Onlinekurs war nicht mehr verfügbar und so musste ich erst suchen und überlegen…Dann werden die einzelnen Stapel eingenäht. Dazu verwende ich festes Garn und einen einfachen Vorstich. Konnte ich leider nicht fotografieren, da ich beide Hände zum Halten des Papieres und der Nadel brauchte…Von außen sieht das dann fertig genäht so aus. Man kann das nun so lassen, manche mögen das, wenn man die Fadenheftung sieht. Manche nähen diese Heftung auch mit schönen Mustern fest. Ich klebe über diese Heftung noch einen Stoffstreifen, dann sieht man die Fäden nicht mehr und das ganze wird noch stabiler.und diese beiden sind wieder gefüllt mit gesammelten Papieren ( aus alten,nicht mehr verwendeten Malblöcken, aus braunen Papiertüten u.ä.) Für den Bucheinband verwende ich entweder selbst bemalte Papiere oder festeres Geschenkpapier.Dies ist ein Reisetagebuch. Auf unserer Kanadareise hatte ich vorbereitete, gefaltete, feste Zeichenpapiere dabei, die ich erstmal nur mit einem Gummiband zusammengehalten hatte. Das Buchcover habe ich mit Seiten aus einem alten Schulatlas bezogen.Und dies ist ein Kunstbuch. Im letzten Sommer habe ich viele quadratische bunte Bilder angefertigt (gemalt und als Collage geklebt) . Die sind nun alle hier drin.

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Einmischen

Ich bin ja ein Farbenmensch, da fällt mir beim Thema Einmischen gleich mal das Thema Farbe ein. Wenn man zwei oder auch drei Farben mischt, gibt es auf jeden Fall einen neuen ‚Farbton. Manchmal ein schöner, manchmal ein misslungener Farbton. Wenn noch mehr Farben dazu mischt, erhält man irgendwann nur noch schmutziges Braun oder Schwarz. Da ist es wie beim Kochen: Zu viele Köche verderben den Brei.

Aber wie ist es im Zusammenleben mit Menschen? Wenn man da die Meinungen mischt, kommt dann was Gutes raus? Oder nur Mischmasch? Darf, soll, muss man sich einmischen? Das ist eine Frage, die mich schon lange sehr beschäftigt. Und sie ist nicht einfach zu beantworten, daher hörte auch mein letzter Blogbeitrag auf mit:

Ich würde mich mehr einmischen.

Ich würde mich weniger einmischen.

Sich einmischen hat oft so einen fauligen Beigeschmack. Der Duden umschreibt es mit: „ohne Aufforderung an einer Sache teilnehmen…“ Synonyme sind: intervenieren, dazwischentreten, ins Geschehen eingreifen….

Der faulige, negative Beigeschmack kommt wohl daher, dass der oder die Betroffenen, die bei denen sich eingemischt wird, dieses Einmischen gar nicht wollen.

Warum wollen sie es nicht? Es könnte sein, dass ihnen durch das Einmischen bewusst wird, dass sie selbst schwach und hilflos sind, oder sich ungerecht/ falsch verhalten haben. Und sie wissen dies im Grunde selbst, wollen es aber von andern gar nicht hören, weil sie ja nicht schwach/hilflos darstehen und auch, zumindest in der aktuellen Situation,ihr falsches Verhalten nicht zugeben wollen.

Was kann man also tun, wenn man eine Situation beobachtet, in der Unrecht geschieht?

Man hat zwei Möglichkeiten: Man kann weglaufen und sich raushalten.

Man kann verbal oder tatkräftig einschreiten.

Wenn man sich raushält, macht man sich vielleicht nachher selbst Vorwürfe oder man macht sich im schlimmsten Fall sogar schuldig. Das ist vielleicht der leichtere, bequemere Weg.

Beide Wege sind absolut menschlich und verständlich: Weglaufen oder Fürsorge.

Flucht oder Engagement.

Wenn man eingreift, beruhigt man sein eigenes Gerechtigkeitsempfinden und man leistet im besten Fall echte Hilfe. Das ist der riskantere, schwierigere Weg.

Wie findet man heraus, was der richtige, angebrachte Weg ist?

Wie findet man eine Balance?

Ich habe für mich noch keine endgültige Antwort gefunden.

Die Antwort hängt sicher von der jeweiligen Situation ab.

Aber ich möchte mutig sein und eher das Eingreifen, Einmischen, Engagieren üben. Vor allem im Fall von Kindern, oder anderen,im Augenblick sehr hilflosen, Menschen. In Fällen, in denen Personen, die sich selbst nicht helfen oder verteidigen können, ungerecht, unfair, bösartig behandelt werden.

Auch wenn ich mich damit unbeliebt mache.

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Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte

Kürzlich fand ich beim Aufräumen in meinem Atelier diesen Text. Keine Ahnung, woher ich den hatte.

Wenn ich noch einmal leben könnte….würde ich …. Erst dachte ich: ist doch ganz einfach, ich weiß, was ich tun würde… aber je mehr ich darüber nachdenke, desto schwieriger wird es. Ich müsste es erstmal einschränken, das: „wenn ich noch einmal leben könnte“:

– einfach noch mal neu auf die Welt kommen und alles nochmal durchleben, ohne das Wissen das ich jetzt habe? Nein, das möchte ich nicht.

-noch einmal neu auf die Welt kommen und schon früh alles wissen, was ich jetzt weiß und erlebt habe? Was würde ich anders machen?

Ich würde nicht versuchen, mehr Fehler zu machen, wie der Autor oben. Ich finde, ich habe schon mehr als genug Fehler gemacht. Wie er versuche ich zwar auch die Minuten meines Lebens fruchtbar und sinnvoll zu nutzen. Gelang mir aber anscheinend nicht so gut wie ihm. Sonst hätte ich bestimmt nicht so viele Fehler gemacht.

Ich würde sicher mehr auf meine Freiheit achten.

Hab ich jetzt mal so als erstes so leicht dahin geschrieben. Und meinte damit, ich würde mich weniger von christlichen Vorschriften gängeln lassen, weniger von: „du darfst nicht, du sollst, du musst….“etc. einschränken lassen. Was habe ich mich Jahre meines Lebens damit gequält mich an Regeln zu halten, die mir andere ( Eltern, Jugendleiter, Pastoren…) vorgaben. Immer wieder bin ich aus diesen Regeln ausgebrochen, hab alles ausprobiert, was verboten war und hab damit anderen und mir ? geschadet. Hätte ich mich an bestimmte Regeln gehalten,hätte ich Schaden verhindert. Also doch nicht mehr Freiheit?

Ja und nein. Ich hätte mir die Freiheit und die Zeit nehmen sollen, mehr nachzudenken, erwachsener zu werden, eigenverantwortlicher zu handeln. Mehr rausfinden, was ich wirklich will, was mir wirklich gut tut.

Vielleicht hätte ich doch Kunst studieren sollen,statt die sichere Lehrerlaufbahn ( „….ich kann ja dann Kreativität unterrichten…“)zu wählen. Wie quälend waren diese Jahre im Schuldienst für mich.

Aber wäre es weniger quälend gewesen, freie Künstlerin ohne Einkommen zu sein?

Ich würde mich nicht mehr mit Partnern einlassen, die : „Nett, aber….“ sind.

Das würde ich auf jeden Fall anders machen, wenn ich mein Leben mit meinem heutigen Wissen nocheinmal leben könnte. Ich würde aktiver sagen, wie ich mir Partnerschaft vorstelle und keine faulen Kompromisse mehr machen. Ohne Kompromisse gehts ja nicht. Aber sicher würde ich keine Kompromisse mehr machen, die nur zugunsten des Partners ausfallen.

Ich würde gesünder leben, aber nicht mehr bergsteigen oder in Flüssen schwimmen 🙂 und bestimmt nicht mehr Sonnenuntergänge betrachten.

Ich würde mehr zuhören, versuchen emphatischer zu sein, würde mehr aufmunternde, mitfühlende Briefe zu schreiben.

Ich würde wie der Autor mehr mit Kindern spielen. Mit ihnen in die Natur rausgehen und die kleinen,guten Augenblicke mit ihnen genießen. Von ihrem Staunen und ihrer Freude lernen. Ich würde alles versuchen und lernen, um meine eigenen Kinder nicht zu verletzen durch unbedachte, unbeherrschte, dumme, lieblose Äußerungen und Handlungen. Das wäre mir das Allerwichtigste, wenn ich noch einmal leben könnte. Und wenn ich rückwirkend irgendetwas gut machen könnte. Das wäre die erste Priorität.

Ich würde früher Pausen einlegen, innehalten, mehr reflektieren.

Ich würde wieder Tagebuch schreiben, aber nie mehr würde ich sie verbrennen.

Ich würde mir viel früher Hilfe holen, kompetenten, psychologischen Rat.

Ich würde mir meine Arbeit besser einteilen, nicht bis zum Zeit- und Kraftlimit arbeiten, sondern versuchen 80% des vorgenommenen Pensums zu erledigen und dann noch Zeit und Kraft übrig zu haben, um zu schauen: was hab ich geschafft, was bleibt noch zu tun, wie schließe ich den jetzt erledigten Teil für heute ab, so dass ich beim nächsten Mal gut weitermachen kann.

Ich würde mich mehr einmischen.

Ich würde mich weniger einmischen.

Zum Thema „Einmischen“gibts demnächst noch einen Blogbeitrag.

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Ein wunderbares Wochenende

haben wir mit Freunden verbracht. Es tat so gut, zusammen zu sitzen und zu plaudern.In einem wunderschönen Zuhause am Tisch bei knisterndem Feuer sitzen, gemeinsam essen, sich austauschen über Familie, Kunst, gesellschaftliche Probleme….es ist wunderbar solche Freunde zu haben.

Wir besuchten zusammen zwei Ausstellungen in der Schirn in Frankfurt.Eindrücke aus der Museumshalle und dem Restaurant. Leider gibt es dort keinen Museumsshop. Oder vielleicht auch zum Glück…das könnte teuer werden 😉

Zuerst sahen wir uns Hanna Ryggen an, eine Webkünstlerin. Hatte vorher noch nie von ihr gehört. Erst fand ich ihre Werke ein bisschen naiv in der Darstellung, aber beeindruckend wegen ihrer Größe und handwerklichen Leistung. Aber dann hörte ich dem Audioguide zu, das war sehr aufschlussreich. Ich bewundere den Mut dieser Frau, mit ihren Arbeiten politische Missstände anzuprangern.

Mein Favorit in dieser Ausstellung war folgendes Werk:Nicht wegen des Themas, sondern wegen der, für mich sehr modernen Darstellung. Mir gefallen die Formen, diese grünen Ranken (?) in der Mitte und die Teile (Blumen?) links und rechts daneben, die halben kleinen Herzen….

Nach einer Pause im Restaurant sahen wir uns Lee Krasner an. Das ist so ganz mein Geschmack. Ich bin beeindruckt von der Vielfalt ihrer Bilder, von der Verschiedenartigkeit und ihrem Selbstbewusstsein genau das zu malen und auszuprobieren, was sie wollte. Auch hier fand ich ein Lieblingsbild:eine Collage. Wie mutig und modern!

Zuhause bei den Freunden durften wir dann noch einige Werke unseres Gastgebers sehen. Die berührten mich am allermeisten. So tief berührende Bilder!

Herzlichen Dank, ihr Lieben! Das war eine Wohlfühloase bei Euch, danke für das wunderbare Essen, dafür, dass wir uns an den reich gedeckten Tisch setzen durften, danke für Gespräche, für Gemeinschaft. So eine Bereicherung, wir fühlen uns sehr beschenkt. So hat das neue Jahr sehr gut begonnen. Von mir aus könnte es genau in dieser Art weitergehen….

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Manchmal braucht man einen langen Atem

Für eine geplante Ausstellung wollte ich ein großformatiges Bild malen. Ich hatte in etwa im Kopf, wie es aussehen sollte, aber schon beim Aufziehen des Papiers gab es Probleme. 1 Meter mal 1 Meter sollte es werden :Dies war der erste Versuch und leider blieb es auch nach dem Grundieren so wellig. Also unbrauchbar.Neues Papier gekauft und nochmal versucht,diesmal hat der „Zauber“ wieder funktioniert: aus einem nassen, welligen Untergrund wurde ein schöner, glatter Malgrund, auch nach dem Grundieren mit weißem Gesso blieb alles glatt.Dann ging es los: Tupfen, wischen, Farbe auftragen, wieder abtupfen…Am Bildschirm bearbeitet, Versuche….so oder so weitermachen?Es wollte einfach nicht so werden, wie gedacht. Ich war nach nun schon mehr als drei Wochen Arbeit nah dran aufzugeben, wollte alles weiß übermalen und neu anfangen. Das große Format war auch echt schwer zu händeln. Einerseits musste ich das Bild im Liegen bearbeiten, damit die Farbe nicht weg lief. Andererseits immer wieder aufstellen, um die Wirkung mit größerem Abstand zu betrachten. Zum Schluss arbeitete ich nur noch auf Knien auf dem Boden.Aber dann, endlich: Jetzt ist es genauso geworden, wie ich wollte:Also nicht aufgeben, weitermachen!

Der Titel des Bildes ist: „Illusionen“.

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Altbekannte Wege in Nürnberg

Kürzlich war ich mal wieder in der alten Heimat, in Nürnberg unterwegs. Ich hatte etwas Zeit und so lief ich zu Fuß vom Hauptbahnhof über den Hauptmarkt zum Rathenauplatz, um dort in die Straßenbahn Richtung Erlenstegen einzusteigen. Hier, links neben der Frauenkirche, in der Ecke wo der Sonnenschirm steht, hatten wir zum ersten Mal einen Stand am Trempelmarkt in Nürnberg. War wohl 1972 oder so.Hier ist meine Mutter grade im Gespräch mit Trudi…Mama war die geborene Verkäuferin. Papa saß irgendwo daneben in einem Campingstuhl und rauchte und las Zeitung. Als Mama selbst mal unterwegs war und ich verkaufen sollte, verkaufte ich die Ritterfiguren meiner Brüder. „Viel zu billig hast du die hergegeben!“ …das bekam ich noch 30 Jahre später von Mama zu hören. Ein Jahr später hatten wir hier einen Verkaufsplatz. Ich hatte mit viel Geduld Kämme bemalt, die von der Kammfabrik von Tante Marie in der Fürtherstraße übrig waren und hatte Fimofiguren gebastelt. Ich dachte, ich könnte dies alles gut verkaufen. War leider nicht so.dann um die Ecke Richtung Laufer Schlagturm. Diesen Weg bin ich sehr oft gegangen, allein oder mit Freundin Doris. Entweder auf dem Weg zur Plakaterie, eine Teestube, oder noch viel öfter zur Meisengeige. Hinten sieht man die Egidienkirche, hier haben Doris und Karl geheiratet.Dieses Gebäude im Hintergrund mit den Bögen oben an der Fassade hat Mama auf einem ihrer Bilder gemalt. Ein Ölbild mit Blattgold, es gewann den dritten Preis bei einem Wettbewerb mit Nürnberger Motiven. Und Mama hat es verkauft.Jetzt sind wir schon fast da, bei der Meisengeige. Diese kleine Galerie gibt es schon, so lange ich denken kann…Vorne links ist sie, die Meisengeige. Vorher noch diese Briefkästen, uralt!Und das ist sie: Die Meisengeige. Kino und Kneipe. Die Gebrüder Weber eröffneten sie einst, es war ihr erstes Kino in Nürnberg. Später kam das Casablanca dazu, ein Kino in Erlangen und dann das riesengroße Cinemaxx! Ins Kino ging ich eigentlich nie. Ein Film, den ich dort zusammen mit Doris sah, war: „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ und „Harold und Maude“. Meist ging ich nur hin, um dort jemanden zu treffen, interessante Leute anzuschauen. Künstler und Studenten trafen sich dort. Mama fand es schrecklich, dass ich dort hinging. Sie legte mir dann abends Zettel mit Bibelsprüchen aufs Kopfkissen, die ich fand, wenn ich nachhause kam. Darauf stand z.B. „Sitz nicht,wo die Spötter sitzen….“ oder ähnliche Hinweise.

Doris und ich fanden es dort aber superklasse. Und wenn wir dort niemanden trafen, zogen wir weiter zum Casablanca am Aufsessplatz. Einmal verpassten wir die letzte U Bahn Richtung Langwasser, nach Hause. Wir überlegten,ob wir den langen Weg heimlaufen sollten. Die Eltern mitten in der Nacht anzurufen, damit sie uns abholten, war undenkbar. Wir waren grade mal 16/17 Jahre alt. Schließlich sprachen wir mitten in der Nacht einen Mann auf der Straße an, der gerade in sein Auto einsteigen wollte. Wir fragten ihn, ob er uns ein Stück Richtung Langwasser fahren könnte. Und hatten dabei natürlich ganz schön Schiß, es hätte ja ein Bösewicht sein können. Er öffnete die hintere Wagentür, und sagte: „Bitte einsteigen! Bitte einsteigen…“ sonst nichts. Wir dachten, dass er betrunken war und hatten noch mehr Schiß, aber was hätten wir tun sollen? Ein Taxi hätten wir uns auch nicht leisten können. Er fuhr uns dann wirklich bis nach Hause, ließ uns brav aussteigen und wir waren heilfroh, und hatten sicher mehr Glück als Verstand gehabt.Mein Weg ging an diesem Tag in Nürnberg noch weiter, am Laufer Schlagturm vorbei. Hier in einem dieser gelblichen Häuser besuchte ich meinen ersten Nähkurs. Mit 14 hatte ich mir von selbstverdientem Geld meine erste Nähmaschine, eine Elna Lotus Sp gekauft. Mama spendierte mir dazu einen Nähkurs. Ich fuhr dorthin mit der Straßenbahn und wollte mir einen vorne durchgeknöpften Jeansrock nähen, wie sie damals modern waren. Mama kaufte mir aber nur einen Fakejeansstoff, weil der billiger war. Ich nähte den Rock, zog ihn aber kaum an. Aber nähen hab ich immerhin gelernt. So, jetzt bin ich am Rathenauplatz angekommen. Hier steige ich in die Straßenbahn Linie 8, die hier rechts abbiegt, Richtung Erlenstegen. Unterwegs fährt sie vorbei an der Freien evangelischen Gemeinde in der Krellerstraße, wo ich zwei Jahre lang den biblischen Unterricht besuchen musste. Der Weg von Langwasser per U-und Straßenbahn dorthin kam mir damals länger vor, als heute meine Reisen von Hannover nach Nürnberg…

Die Straßenbahn fährt auch am Langseebad vorbei, das war DAS Freibad, in dem die Künstler und tollen Leute schwimmen gingen, zu denen ich mich so gern gezählt hätte. Und schließlich endet diese Straßenbahnfahrt hier:In Erlenstegen. Eigentlich ein Wohngebiet, wo Villen stehen und die Reichen wohnen. Aber auch solche Bruchbuden stehen da noch rum. In Erlenstegen wohnt meine Kusine und Patentante. Seit mehr als vierzig Jahren war ich nicht bei ihr zuhause. Früher hatte ich mal Mathenachhilfe bei ihrem Mann…leider hab ich Mathe nie kapiert. Jetzt habe ich sie hier besucht, zusammen mit meinem Bruder. War ein schönes Erlebnis, dieser Weg durch Nürnberg mit abschließendem Besuch. Ein Eintauchen in alte Zeiten….

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Paradox

Vieles erscheint mir in letzter Zeit so paradox, so widersprüchlich, deshalb gibts heute mal einen sehr textlastigen Beitrag, fast ohne Bilder…

Ich frage mich, ob man im Leben irgendwann, irgendwas dazu lernt?

Als ich noch voll im Berufsleben war, Haus und Familie zu versorgen und kaum Zeit für künstlerisches hatte, hatte ich viele Ideen und Wünsche, die ich gern in Mal- und Bastelprojekten umgesetzt hätte. Jetzt habe ich jede Menge Zeit, aber die Ideen und Wünsche werden immer weniger…

Als ich kaum Geld hatte, stand ich als Kind und auch als Erwachsener vor vielen Schaufenstern und träumte davon, mir dies oder jenes leisten zu können. Jetzt könnte ich es mir leisten, stehe davor und denke: Brauche ich es wirklich? Und meistens stelle ich fest, dass ich es nicht brauche.

Als Jugendlicher wollte ich nachts aufbleiben, mir nicht sagen lassen, wann ich ins Bett gehen soll…ein paar Jährchen später hatte ich selbst Kinder und habe ihnen vorgeschrieben, wann sie ins Bett müssen.

Als ich meine Mutter mit den Kindern zusammen besuchte, jammerte sie immer, dass sie dann so viel Arbeit mit uns hat ( „wenn ihr da seid, muss ich immer so viele Treppen laufen…“) Ich hasste es, wenn sie das sagte, weil es mir das Gefühl gab, nicht willkommen zu sein. Heute, wenn ich viele Gäste im Haus habe, ertappe ich mich bei ähnlichen Gedanken ( „oh, nochmal nach oben laufen…“)obwohl es mir Freude macht, Gäste zu haben.

Eine Person hat zuhause ziemliches Chaos. Geht aber gerne in einer Firma arbeiten und sorgt dort prima und zuverlässig für Ordnung im Lagerraum.

Männer putzen die Felgen ihres Autos mit der Zahnbürste, um jeden Winkel zu erreichen, sie wienern und polieren die Karosserie. Zuhause sehen sie nicht die Flusen auf dem Boden, die Krümel oder das schmutzige Waschbecken, das dringend Reinigung bräuchte.

Man isst selbst Süßes auf Frust oder um sich zu trösten oder aus Langeweile. Man hängt stundenlang vor der Glotze ab, weil man sich ablenken oder ausruhen will. Gleichzeitig verbietet man beides seinen Kindern, oder erwartet, dass sie sich selbst regulieren und einsehen, dass beides nicht gut für sie ist.

Oder man will unbedingt Mama sein und Kinder haben, man stellt sich das so schön vor. Kaum wird’s schwierig, macht man den Kids Vorwürfe, sie seien undankbar und anstrengend…

Meine Mutter hat Zeit ihres Lebens über diverse Lehren der katholischen Kirche geschimpft. Nun lebt sie schon seit über zwei Jahren in einem Altenheim- der katholischen Kirche!

Man schickt sein Kind an manchen Tagen gegen seinen Willen in den Kindergarten, obwohl man selbst keine guten Erinnerungen an die eigene Kindergartenzeit hat.

Man hat die meisten, schlimmsten Missverständnisse mit denen, die man am meisten liebt.

Ein Kind lernt am allermeisten in seinen ersten drei Lebensjahren. Jeden Tag kommt eine Menge Neues hinzu. Trotzdem weiß es später kaum etwas, was es in diesem Zeitraum tatsächlich erlebt hat.

Wenn ein neues Geschwisterchen geboren wird, kommt meist das ältere Kind zu kurz und leidet darunter, dass das jüngere immer vorgeht. Trotzdem machen es dann die älteren Geschwister mit ihren eigenen Kindern meist wieder ganz genauso, wie sie es selbst erlebt haben.

Wir können heute so vieles, was man früher nicht konnte: per Video telefonieren, mit der ganzen Welt in Verbindung treten, alle nur erdenklichen Dinge weltweit bestellen, es gibt Apps für alles von Budgetplanung bis Zeitmanagement, künstliche Intelligenz wird bald vieles ersetzen, Roboter werden alte Menschen in Heimen automatisch versorgen.

Könnte nicht jemand eine App erfinden/künstliche Intelligenz einsetzen, um zwischenmenschliche Probleme zu lösen, um Konflikte zu klären, Trost und Liebe zu geben, Hunger zu stillen?

Könnte man nicht ohne Fahrbahnschäden zum Himmelreich gelangen? Oder ist das eine Sackgasse?Gibts da nicht ne App für???